Gesamtschule Erle digital – Lernen trotz der Krise

"Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht."
von Jean Anouilh, frz. Dramatiker (1910-1987)

In der Gesamtschule Erle ist es still geworden. Seit der Schließung der Schule vor beinahe drei Wochen hält nur noch ein kleines Team aus Hausmeister, Sekretariat und Schulleitung die Stellung. Keine SchülerInnen, keine LehrerInnen, kein Unterricht, kein Lärm, kein Lachen. Wer hier durch die leeren Flure läuft, würde nicht vermuten, was sich jeden Tag „hinter den Kulissen“ abspielt.

Denn Unterricht und Lernen finden weiterhin statt – nur ganz anders. Denn unsere Schule geht zwar schon lange den Weg in die Digitalisierung, aber wegen der aktuellen Situation ist dieser Weg kein Spaziergang, sondern eher ein Sprint mit Siebenmeilenstiefeln.

Im Januar hatte sich die Gesamtschule Erle als erste Schule in Gelsenkirchen spontan dazu bereit erklärt, ihr pädagogisches Netz von einer Woche zur anderen auf den IServ-Schulserver umstellen zu lassen. Die ersten beiden Wochen waren noch sehr holprig, denn die neue Plattform funktionierte in den Klassenräumen nicht annähernd so, wie wir uns das vorstellten. Wir mussten viel Geduld aufbringen und improvisieren. Wie wir alle das im Umgang mit Technik eben manchmal erleben.

Und dann sollten ab Mittwoch, 18.3. plötzlich alle zu Hause bleiben. Es blieb uns gerade noch etwas Zeit, um in den Jahrgangsteams und den Fachkonferenzen am Montag und Dienstag kurz zu planen, wie die LehrerInnen den SchülerInnen mit IServ Aufgaben stellen können und wie sie selbst im HomeOffice nicht nur an der Entwicklung von Unterricht arbeiten, sondern sich noch mit KollegInnen darüber austauschen können. Denn keiner von uns hatte bis dahin Erfahrungen mit der Kommunikationsplattform.

Auch unsere IServ-Administratoren mussten ins kalte Wasser springen und an diesen und den folgenden Tagen noch viel tun: Über 250 Kurse mit Schülern wurden mithilfe eines kurzerhand selbst geschriebenen Skripts in IServ aufgespielt, Kurzanleitungen zum Login und zum Aufgabenmodul geschrieben und nach dem Start Hunderte von Mails und Fragen von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen beantwortet.

Seitdem läuft aber alles wie geschmiert: LehrerInnen aller Fächer stellen maßgeschneiderte Aufgaben für ganze Klassen, aber auch für einzelne SchülerInnen per E-Mail, über die Dateiablage und das Aufgabenmodul. Die SchülerInnen bearbeiten sie und laden ihre Lösungen wieder auf IServ, zu denen es dann wieder Rückmeldungen der Lehrer gibt. Alle kommunizieren per E-Mail und über den Messenger. In der Lehrergruppe werden im Forum Vorschläge für das Online-Lernen mit verschiedenen Apps und Online-Angeboten gesammelt. Es werden Erfahrungen mit solchen Angeboten ausgetauscht und auch Wünsche zur Verbesserung von IServ an die Adminstratoren geschickt, die sie umgehend an die IServ-Entwickler weitergeben.

Auch die Eltern mischen kräftig mit: Sie unterstützen ihre Kinder beim Lernen zu Hause und mit IServ, wo immer sie können. Und wenn es dann doch mal hakt: LehrerInnen und AdministratorInnen sind immer ansprechbar.

Unsere neue und viel genutzte Lernlandschaft ist zwar sicher nicht perfekt, aber flexibel und lebendig. LehrerInnen arbeiten im Homeoffice an der Entwicklung des Unterrichts weiter, und SchülerInnen lernen mit ihren Eltern fleißig über das Internet.

Dabei dürfen die Aufgaben, die zu Hause bearbeitet werden, laut Schulministerium nicht einmal bewertet und benotet werden. Aber vielleicht nehmen die Schülerinnen gerade deshalb die Aufgaben so gut an.

Die Schulschließung hat dem digitalen Arbeiten und Lernen an der Gesamtschule Erle einen starken Anschub gegeben. Durch die Krise mussten wir mit IServ so schnell wie möglich Projekte (z.B. den Messenger und das Aufgabenmodul) umsetzen, die eigentlich erst nach und nach für das nächste Schuljahr geplant waren. Im regulären Schulbetrieb wäre das alles undenkbar gewesen!

Wer kann da noch sagen, dass LehrerInnen sich mit der Digitalisierung der Schule schwertun und Schüler nur auf dem Handy spielen würden. An der Gesamtschule Erle setzen wir uns alle gemeinsam gerade so intensiv mit dem neuen Schulserver und dem Thema Digitalisierung auseinander, wie wir das an mehreren Fortbildungstagen nicht hinbekommen hätten.

Und in den Wochen nach Ostern werden wir uns dabei vielleicht auch schon wieder „face-to-face“ sehen können. Wenn nicht in der Schule, dann über Videokonferenzen, die dann mit IServ möglich sein werden.

Darauf freuen wir uns. Bleiben Sie gesund und feiern Sie Ostern vielleicht auch digital - zum Beispiel über Skype oder FaceTime.

Andreas Lisson, Schulleiter

Ralf Pörings, didaktischer Leiter

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